Präzisionsökonomie

von Jan SCHUTTE, Gründer von LE CHEMISEUR®, veröffentlicht im März 2024, aktualisiert im Juni 2026

Sechs Jahre lang war ich Ingenieur bei Toyota, spezialisiert auf „Just-in-Time“. Dort entdeckte ich eine einfache Idee: der echten Nachfrage folgen, statt auf Lager zu produzieren. Man personalisiert besser, sichert die Qualität und vermeidet Verschwendung — finanziell wie ökologisch. Das hat Toyota zum weltweit führenden Automobilhersteller gemacht.

2014 habe ich LE CHEMISEUR® gegründet, um diese Idee auf ein Alltagsprodukt anzuwenden: das Hemd. Zehn Jahre später sehe ich, dass wir nicht allein sind — eine echte Grundströmung zeichnet sich ab: die Präzisionsökonomie.

Was ist die Präzisionsökonomie?

Die Präzisionsökonomie nutzt Technologien wie KI und vernetzte Fertigung, um persönlichere und hochwertigere Leistungen zu bieten und zugleich Verschwendung — und damit die ökologische Belastung — zu verringern.

Beispiele, längst überall

Die Inhalte jedes Nutzers per KI zu personalisieren, ist in sozialen Netzwerken, im Streaming (Netflix) und im E-Commerce (Amazon) längst Standard.

Fahrdienst-Plattformen passen das Fahrerangebot in Echtzeit an die Nachfrage an, über dynamische Preise: besserer Service für den Kunden und weniger Leerlauf — also weniger Verschwendung — für den Fahrer.

Nach den Dienstleistungen erreicht die Präzisionsökonomie nun physische Produkte. HelloFresh und Quitoque liefern exakt die Zutaten eines Rezepts, bis auf den Milliliter Sojasauce, zum richtigen Zeitpunkt. Laboté stellt maßgeschneiderte Kosmetik für jeden Hauttyp her. Die Präzisionslandwirtschaft bewässert und behandelt jede Pflanze nach ihrem Bedarf. Morgen wird die Medizin wohl prädiktiv und personalisiert, wie beim Unternehmen Zoï.

Wie man die Präzisionsökonomie umsetzt

Machine Learning ist der einfache Teil

Machine Learning heißt, die mathematischen Formeln zu finden, die aus vergangenen Daten neue Daten vorhersagen. Es ist der Grundbaustein einer KI.

Auf einem klar abgegrenzten, messbaren Feld ist das erstaunlich einfach und sehr zuverlässig — viel leichter, als ein generalistisches Sprachmodell wie ChatGPT zu bauen. Unsere Passform-KI ist der Beweis. 2020 gestartet, stützt sie sich heute auf die Daten von mehr als 50.000 Kunden und verbessert sich laufend. Der Kunde nennt Gewicht, Größe und Alter: Das genügt, um seine Passform mit hoher Präzision vorherzusagen. In 81 % der Fälle sitzt die Passform auf Anhieb. Ist eine Anpassung nötig, beschränkt sie sich fast immer auf 1 bis 2 cm — leicht aus dem ersten Hemd abzuleiten.

Daten in guter Qualität sind schwieriger

Mir wurde schnell klar: Es genügt nicht, viele Daten zu haben — man braucht gute Daten, und vor allem muss man sie lesen können. Die Expertise im Maßnehmen und in der Schnittkonstruktion, die wir von Anfang an aufgebaut haben, war Gold wert.

Das ist wohl, was uns auszeichnet. In zehn Jahren haben wir gelernt, die männlichen Körperformen zu lesen — indem wir unsere Kunden vermessen und unsere eigenen Schnitte gezeichnet haben. Kombiniert mit den Daten von mehr als 50.000 Männern macht uns diese Expertise zu einem der Akteure, die in Europa am besten verstehen, wie ein Mann gebaut ist und wie ein Hemd sitzen muss. Kurz: Daten rund ums Hemd sind unser eigentliches Handwerk geworden.

Einflüsse trennen. Den Einlauf jedes Stoffs etwa gleichen wir direkt in unserer KI aus. Sonst vermischt man die Wirkung der Körperform mit der des Waschens — und verliert an Präzision.

Die richtigen Daten erheben. Beim Start der Hosen fehlte es unserer KI noch an Präzision an der Hüfte. Nicht die Daten halfen uns, sondern die Begegnungen im Showroom und die Anproben: Sie brachten uns auf zwei zusätzliche Fragen zur Körperform, die wir auf der Website ergänzt haben. Die Ergebnisse verbesserten sich sofort. Wir verfeinern unsere KI mit jeder Bestellung weiter.

Integrierte Fertigung, aus Notwendigkeit

Um ein Produkt zu personalisieren und zum richtigen Zeitpunkt zu versenden, braucht es spezialisierte Produktionslinien und eine vollständige logistische und informationstechnische Integration.

Das setzt langfristige Beziehungen zu den Lieferanten voraus. In der Mode ist das ein echter Paradigmenwechsel: Die meisten Marken suchen jede Saison den billigsten Lieferanten und drücken die Preise. Langfristige Partnerschaften dagegen lassen uns gemeinsam wachsen und uns auf Innovation konzentrieren. So haben wir nach und nach unsere Verpackung und dann unsere gesamte Logistik optimiert — für ökologische Sendungen, einfach für die Werkstatt und schnell für den Kunden.

Schwer umzusetzen, leicht zu verbessern

Das ist, was ich an LE CHEMISEUR® am meisten mag und was mich für die Zukunft zuversichtlich macht: Wir verbessern uns ständig, und schnell.

Warum? Weil wir unsere Kunden kennen — und weil wir ohne Lager und ohne Zwischenhändler nahezu jeden Aspekt unserer Website oder eines Produkts fast augenblicklich ändern können.

Die ökologischen Vorteile

Weniger Verschwendung

Effizienz steht im Kern der Präzisionsökonomie. Wer die Produktion an die echte Nachfrage anpasst, spart die Kosten für Überschuss und Überproduktion — und senkt den ökologischen Fußabdruck. Die Branche dagegen produziert jedes Jahr Milliarden nie verkaufter Kleidungsstücke: bis zu 140 Milliarden US-Dollar an unverkaufter Ware, laut Business of Fashion und McKinsey.

Bei LE CHEMISEUR® verursacht jedes verkaufte Hemd 43 % weniger CO₂ als ein durchschnittliches online verkauftes Konfektionshemd — dank des Wegfalls der Überproduktion, weniger Retouren und europäischer Stoffe.

Zur ausführlichen Studie →

Bewusster konsumieren

Die Präzisionsökonomie ebnet auch den Weg zu einem gesünderen Konsum, der Qualität vor Quantität stellt.

Heute beruht der Markt für Herrenhemden weitgehend auf Impulskäufen: schlecht sitzende Hemden, in China produziert, im Schlussverkauf gekauft.

Wer maßgeschneidert bestellt, überlegt, was er braucht, und nimmt zwei bis drei Wochen Wartezeit in Kauf, um ein wirklich personalisiertes Produkt von hoher Qualität zu erhalten.

Der neue Luxus

Wir müssen zu mehr Nachhaltigkeit kommen. Doch viele von uns wollen sich weiterhin etwas gönnen. Die Präzisionsökonomie bietet eine völlig neue Antwort: Sie stellt Genuss und Ökologie nicht länger gegeneinander.

Der neue Luxus heißt: weniger konsumieren, aber besser — hochwertige Produkte, eigens für einen selbst gefertigt, ohne Verschwendung.

Auch deshalb ist LE CHEMISEUR® heute eine zertifizierte B-Corp-Herrenmodemarke.

Über uns: LE CHEMISEUR® →

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